Samstag, 29. Oktober 2016

(Interview) Sebastian Fitzek spricht über "Das Paket", Schizophrenie und Soziale Medien

Auf der Frankfurter Buchmesse war einiges los und ich habe mich dieses Jahr auch wieder mit Sebastian Fitzek getroffen – und mich mit ihm natürlich über sein neues Buch unterhalten.

"Das Paket" ist jetzt im Handel, weshalb ich euch nicht vorenthalten möchte, was er darüber erzählt hat und welche Rolle "Die Therapie" dabei spielt. 10 Jahre Fitzek, vielleicht schließt sich hier ein Kreis?
Aber wir haben auch über seine anstehende Tour und den Umgang miteinander in den Sozialen Medien gesprochen.
In einer Sache sind wir uns beide einig: Jeder erlebt seine eigene Realität. Was das mit seinem neuen Buch "Das Paket" zu tun hat, erfahrt ihr jetzt.

Worum geht es denn im "Paket"?
Einer Psychiaterin wurde etwas Schlimmes in einem Hotel angetan. Seitdem verlässt sie das Haus nicht mehr. Doch dann nimmt sie ein Paket für einen unbekannten Nachbarn an und fragt sich hinterher, ob sie einen Fehler gemacht hat. Sie glaubt, in Gefahr zu sein, denn auch der, der ihr etwas angetan hat, ist ja noch irgendwo da draußen.

Gibt es Parallelen zu deinem ersten Buch, "Die Therapie"?
Parallelen würde ich zwar nicht sagen, aber der Kreis schließt sich. Es gibt wieder eine klaustrophobische Grundstimmung. Und es gibt ein Wiedersehen mit einem bekannten Charakter, aber wer das ist, verrate ich jetzt nicht.

Was war dir bei der Charakterisierung dieses Mal besonders wichtig?
Ich lasse den Figuren immer freien Lauf. Dadurch ist die Gefahr der Ähnlichkeiten nicht gegeben. Dieses Mal ist die Hauptrolle ja auch eine Frau. Und Vergewaltigungen habe ich noch gar nicht so häufig thematisiert. Ein Teil der Charakterisierung hat sich beim Schreiben, wie so oft, entwickelt.

Welche Recherchen hast du im Vorfeld führen müssen?
Ich bin wieder in die Psychiatrie eingestiegen und  habe mit einem Psychiater und einem Opfer gesprochen. Das war nötig, um sich in die Ängste eines gebrochenen Opfers hineinzuversetzen. Es war mir wichtig darzustellen, dass psychische Krankheiten keine "stell dich nicht so an"-Krankheiten sind.

Hat das Thema "Schizophrenie" eine besondere Bedeutung für dich?
Es bedeutet, dass man nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden kann. Da sind wir mit unserer Forschung noch ganz am Anfang. Was ist die Realität überhaupt? Jeder hat eine eigene Realität – das ist unglaublich spannend.

Hast du besondere Programmpunkte für deine aktuelle Jubiläumstour geplant?
Die Veranstaltung geht eine Stunde und 40 Minuten. Es wird eine Band da sein, die den Soundtrack zum Buch live spielt während ich lese. Und natürlich gibt es wie immer Einblicke in mein Autorenleben. Ich hoffe, die Leute lachen mehr, als dass sie sich gruseln.

Bei dir läuft ja viel über die Sozialen Medien. Bist du oder dein Umfeld schon mit dem Phänomen "Hasskommentare" in Berührung gekommen?
Zum Glück nicht. Ich nutze hauptsächlich Facebook und obwohl ich über 130.000 Fans habe, hatte ich noch nichts damit zu tun. Vielleicht ist die Autoren- und Leserszene humaner. Wobei Autoren, die politische Sachbücher schreiben, eher Probleme damit haben werden. Auf Twitter ist der Umgangston rauer, aber da bin ich nicht so oft unterwegs. Ich bin Geschichtenerzähler - versuch da mal mit 140 Zeichen etwas zu sagen.

Auch wenn der Kelch an dir vorbeigegangen ist, woher glaubst du, kommt diese sinkende Hemmschwelle?
Ich glaube, dass die Menschen derzeit viele Ängste haben und ein Ventil brauchen. Das Internet senkt – psychologisch ganz wichtig – die Hemmschwelle, da die Reaktion des Gegenübers ausbleibt. Das ist die Kombination. Vielleicht haben wir alle noch nicht gelernt, mit dem Medium Internet umzugehen.

Was wäre denn ein erster Schritt, mit solchen Kommentaren umzugehen?
Zuerst einmal kann man nicht alles über einen Kamm scheren. Strafbare Kommentare muss man natürlich melden, polarisierende sollte man aber für sich stehen lassen. Und auf keinen Fall mit Gegenhass antworten. Wenn ich mit "Du bist ein Idiot" anfange, hört mir eh keiner mehr zu. Solche Poster wollen auch in den wenigsten Fällen eine Diskussion, sondern eben einfach ein Ventil. Man wird da auch niemanden überzeugen können, das würde einen persönlichen Austausch voraussetzen.

Sollte die Belletristik vermehrt auf solche Dinge, die das aktuelle Weltgeschehen bewegen, eingehen?
Krimi- und Thrillerautoren tun das. Gerade, was Mobbing im Internet anbelangt. Ich habe in "Noah" die Überbevölkerung und in "Das Joshua-Profil" das Vorhersehen von Verbrechen thematisiert. Das sind ganz aktuelle Themen. Wenn mich etwas bewegt, dann schreibe ich darüber.

Arbeitest du schon an einem neuen Buch und weißt, in welche Richtung es gehen soll?
Ja, da mein neues Manuskript im Juni schon druckfertig abgegeben werden muss. Aber mehr kann ich noch nicht sagen. Ich habe einmal den Fehler gemacht, im Vorhinein etwas über ein Manuskript zu verraten, was dann aber wieder verworfen wurde. Die Leute fragen mich heute noch, wann das herauskommt.

Kommentare:

  1. Hallo Sonja

    Ein sehr schönes Interview. Auf das Paket freue ich mich auch schon. Bin gespannt, welcher bekannter Charakter in dem Buch mitspielt.

    Liebe Grüße, Gisela

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    1. Danke dir. Bin gespannt auf deine Rezension :)

      LG
      Sonja

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  2. Hallo Sonja,
    dein Interview habe ich sehr gerne gelesen. Zwar lese ich in erster Linie keine Thriller, mittlerweile habe ich aber so viel von Fitzeks Büchern gelesen, dass ich fast geneigt bin eine Ausnahme zu machen. Interessant finde ich, dass Sebastian F. sogar einen Psychiater und ein Opfer für Recherchezwecke interviewt hat.
    Liebe Grüße Tanja :o)

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    1. Huhu,

      ja, gib seinen Büchern auf jeden Fall eine Chance. Recherche ist auch wichtig, damit am Ende die richtige Stimmung aufkommt :)

      LG
      Sonja

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  3. Huhu Sonja!
    Das ist ein echt schönes Interview. Danke an dich und Sebastian. Ich liebe die Thriller von Herrn Fitzek ja auch sehr und bin schon sehr gespannt auf "Das Paket". Liebe Grüße, Petra

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    1. Hey Petra,

      danke dir :) Hat mir auch wie immer Spaß gemacht, mit ihm zu quatschen. Viel Spaß mit dem Paket!

      LG
      Sonja

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  4. Aaah, Kuscheln mit Herrn Fitzek - schönes Foto. ;o)

    Und natürlich auch tolles Interview!

    Liebe Grüße
    Patricia

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    1. Hahahaha, so kann man es natürlich auch nennen :)

      LG
      Sonja

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