Samstag, 7. November 2015

(Gequatschtes) Der Blogger-PR-Agentur-Wahnsinn ist auch bei mir angekommen

Wer eine Zeitlang bloggt, wird irgendwann mit ihnen in Berührung kommen: PR-Agenturen. Nein, das soll weder ein Meckerbericht, noch eine Lobhyme werden. Stattdessen plaudere ich mal ein bisschen aus dem Nähkästchen, denn das ein oder andere skurrile Erlebnis war dann mittlerweile schon dabei.

Mit den Verlagen tritt man ja meistens direkt in Kontakt, seit dem Montagsthema habe ich aber nun auch viel mit Modelabels und Kosmetikfirmen zu tun. Seit diese Beiträge regelmäßig online gehen, werde ich allerdings auch immer öfter angeschrieben. Ein paar Erlebnisse zum Kopfschütteln habe ich heute für euch.

Gehalt per Losverfahren

Was ja viele von euch kennen, und was wirklich hauptsächlich von Verlagen ausgeht, sind diese "Berichte bitte über XY", dann bekommst du vielleicht das Buch/Produkt, wenn du ganz viel Glück hast. Wir verlosen ein paar Exemplare (unter den hoffentlich 200-500 Bloggern, die mitmachen). Ja, coole Sache, aber nur für die Firmen.
Wenn mein Chef morgen zu mir kommen würde und sagt: "Also, ich will, dass ihr euch heute alle so richtig reinhängt! Dann lose ich auch heute Abend aus, wer am Ende des Monats Gehalt bekommt!"
Ich lasse das mal so stehen, da ich es mittlerweile echt lustig finde, denn beides ist die gleiche Konstellation. Und ganz ehrlich, wenn ich eine Stunde an einem Artikel sitze, könnte ich in der Zeit auch arbeiten gehen und mir das Buch von dem Stundenlohn direkt kaufen und habe es dann garantiert. Also Daumen runter für diese Aktion!
Was ich hingegen jederzeit mitmache sind Hinweise auf Aktionen, etc. die allen einen Mehrwert geben. Aber doch keine stumpfsinnige Werbung für Bücher, die ich gar nicht gelesen habe. Wie soll ich das empfehlen?

Chinesen verkaufen nicht nur billig, sie knausern auch beim Zahlen

Aber kommen wir nun zu einer Aktion, die genauso dreist wie lustig war.
Ich wurde von einem chinesischen Label angeschrieben, das wunderschöne Cocktailkleider vertreibt, mit der Bitte, ich solle doch ein Banner schalten. Ich würde für drei Monate doch tatsächlich 10 Euro, nein, Dollar bekommen!
Mal abgesehen von der großzügigen Entlohnung habe ich noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich keine bezahlte PR mache, sondern nur Produkttests.
Aber ich fand die Kleider schön und hatte sofort "Gossip Girl" im Hinterkopf und wollte deshalb einen Artikel über ein Kleid schreiben.
Also, ich nett auf die dreiste Mail geantwortet, dass ich keine Banner schalte, aber gerne einen Artikel schreibe, wenn ich Kleid xy bekomme.
Antwort: Wir können Ihnen 120 Euro anbieten, wenn sie den Banner 12 Monate schalten (Das Kleid mit keinem Wort erwähnt).
Ich: Nein, ich kann Ihnen nur einen ehrlichen Artikel über eins ihrer Kleider mit Buchbezug anbieten.
Antwort im Wortlaut: 120 Euro für 12 Monate Banner und das Kleid mit Verlinkung zur Homepage?
Ich: Nein!! Ich stelle keine Banner auf meinen Blog, kann Ihnen wie gesagt nur eine Rezension annieteten.
Ich habe nie wieder etwas von dem Unternehmen gehört.

Kostenloser Content gesucht

Mein nächstes Highlight kam dann sogar wieder aus der Literaturbranche: Wir geben Ihnen die Möglichkeit, Ihre Rezensionen auf unserem Portal zu veröffentlichen um deren Reichweite zu erweitern.
Ich übersetze das mal: Bitte gebt uns kostenlos Content für unsere Homepage, auch auf die Gefahr hin, dass Google euch abwertet, da der Inhalt nun doppelt existiert.
Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich wusste, wie ich darauf antworten soll (ob überhaupt).
Ich hab ihm dann geschrieben, dass ich keinerlei Mehrwert darin für mich erkennen kann, da kaum jemand nach einer vollständigen Rezension noch auf meinen Blog klicken wird. Es bringt nur ihm Vorteile, da er eben kostenlosen Content erhält.
Er schrieb sogar zurück und konnte dies nicht entkräften.

Blogger=Billig

Schön war auch eine extrem ehrliche Mail: Wir haben kein Geld, weshalb wir gerne über euch Blogger werben möchten. Bitte veröffentlicht beigefügten Text.
Ach, echt? Ich habe auch kein Geld, ich bin Studentin mit Pferd! Immer wieder schön …

Hallo, danke, Tschüss? Total überbewertet!

Letzte Woche hatte ich auch mal wieder eine tolle Email von einem Indie-Autoren, der zugegebenermaßen recht kreativ war. Er hat es wirklich geschafft, diesen komplette Satz in der Betreffzeile unterzubringen: "Hallo, lese die Seite wie bereits glaub ich schon mal gemailt echt gerne, deswegen mach ichs mal ganz kurz und einfach: Mein Roman "XY" falls ebenso Interesse vorhanden, z.B an einem Ebook einfach zurückmailen, Würd mich sehr freuen."
Ich habe nachgeschaut, er hatte mir noch nie geschrieben und garantiert nicht meinen Blog gelesen, da das Buch A nicht zu mir passt und B ich hier auch geschrieben habe, dass ich keine Indis annehme. Dafür fehlt mir einfach die Zeit, sodass ich nur sehr selten Ausnahmen mache.
Aber wenn das ein Einblick in seinen Schreibstil war, reicht es mir auch.
Ganz ehrlich, wenn ich richtig liebe Indie-Mails bekomme, dann schaue ich mir die Leseprobe sogar an, wenn es mir gefällt. Aber ein Hallo und mein Name sollten schon machbar sein. Ebenso wie ein bisschen Text ...

Es gibt natürlich ganz tolle Firmen und PR-Agenturen, die euch zum Beispiel die Gewinnspiele ermöglichen und die einen unglaublich netten Kontakt zu Bloggern pflegen. Wenn ich da Kritik in meinen Artikeln äußere, ist das absolut kein Problem.
Eine Agentur hatte mich angeschrieben, nachdem ich eine negative Handtaschenrezension geschrieben hatte. Sie fand den Artikel (es war einer ihrer Labels) so toll geschrieben (auch wenn die Tasche kritisiert wurde!) und bot mir an, den Kontakt zu anderen ihrer Kunden herzustellen. Mittlerweile haben wir uns schon live getroffen und ein sehr nettes Verhältnis zueinander (und planen gerade etwas zu Weihnachten für euch).

Die meisten Kontakte zu Firmen, Verlagen und PR-Agenturen sind unglaublich freundlich, sodass die oben beschriebenen Erlebnisse Ausnahmen sind. Trotzdem sind sie lustig, teilweise frech und manchmal einfach unmöglich. Jetzt muss man bedenken, dass ich ein kleiner Blog bin. Was bitte stapelt sich in den Postfächern der Großen?!





Kommentare:

  1. Hallöchen =)
    Ich hatte bisher noch nicht solche Erfahrungen gemacht (Naja, mein Blog ist ja noch sehr klein o.o).
    Ich hatte bisher nur mit "Literatur-Test" von Harper Collins zu tun, und die sind super lieb *.*

    LG <3
    Anna

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    1. Sei froh. Aber wie gesagt, die meisten sind völlig okay. Man darf sich nur nicht ausnutzen lassen. Das da oben sind Ausnahmen.

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  2. Haha, ja ich kenne alle Deiner angesprochenen Kontaktaufnahmen und auch die letzte habe ich 1:1 so bekommen. Allerdings habe ich mir hier ein Rezensionsexemplar angefordert, weil mich der Klappentext schon angesprochen hat. Mal sehen, was mich da erwartet...
    Was ich noch öfter bekommen habe, sind quasi vorgefertigte Texte, die ich so übernehmen sollte - habe ich auch jedesmal dankend abgelehnt, schreiben kann ich schon selbst, da brauche ich keine Vorlagen ;-)
    Scheinbar scheinen sich solche Aktionen/Anfragen aber zu lohnen, sonst würden wir diese nicht immer wieder bekommen... und gerade Dein 1. Beispiel finde ich auf ganz vielen Blogs und kann jedes Mal nur den Kopf schütteln.

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    1. Ne, auf das Buch habe ich keine Lust mehr. Aber bin schon gespannt wie du es finden wirst.

      Oh ja, diese vorgefertigten Texte sind schon so zur Norm geworden, dass ich sie ignoriere und oben nicht mit aufgezählt habe. Du weißt ja wie es ist. Jeden Morgen steht ein D... Das Problem ist einfach, dass viele die Hintergründe auf den ersten Blick nicht sehen.

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  3. Hihi, tolleR Artikel! Aber sowas Dreistes teilweise! *kopfschüttel*

    Ich habe ja noch keine so eine Anfrage bekommen ^^. Ui, das ist aber von der Firma mit der Tasche nett. Aber man muss halt Kritik auch annehmen...

    LG Mila <3

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    1. Danke :)

      Ja, wie gesagt, da hat sich ein sehr guter Kontakt draus entwickelt!

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    2. Apropos: Kennst du eigentlich die Journalisten-Datenbank Cision Group Germany? Die haben mir nämlich eine Anfrage geschickt, ob ich mich da eintragen möchte. Kennst du diese Seite?

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    3. Ich hab eben mal gegoogelt, da ich sie nicht kenne. Sehen schon seriös aus, auch aufgrund der Referenzen.
      Frag doch einfach mal, was dir das bringt. Also ob es nur um das Veröffentlichen von PR-Texten geht, oder auch um Vermittlung von Events, Premierefotos zu Filmen, Kooperationen etc.

      Ich hatte auch letztens ne Anfrage, ob ich in eine PR-Datenbank will um News zu bekommen. Hab dann gefragt, ob sie nur Blogger für kostenlose Veröffentlichungen brauchen, oder ob es sich auch um Aktionen handelt, die für beide Seiten ein Gewinn sind. Da kam nie wieder was zurück. Andere Agenturen dienen als direkter Vermittler zwischen den Firmen und Bloggern und die sind meist wirklich klasse und sehr hilfbereit/kompetent.

      Frag einfach mal nach, stell ruhig direkte Fragen und schau dann, ob es für dich passt.

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    4. Okay, dankeschön :)

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  4. Hey! Genau die gleiche Mail mit der Anfrage ist auch bei mir angekommen! Hab erstmal den Kopf geschüttelt, dass ein Autor so einen Satzbau hinbekommt und habe dann die Email einfach nicht beachtet.

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    1. Genau das war auch mein Gedanke bei dieser mail (die nachfolgenden waren nicht besser), von daher bin ich mal auf das Rezensionsexemplar gespannt...

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    2. Schon krass, an wie viele diese Mail rausgegangen zu sein scheint. Und er hat bestimmt auch alle Blogs gelesen ;)

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  5. Ein spannendes Thema und ein guter Artikel dazu... Manche Sachen waren mir bis jetzt ja neu - Ich wurde noch nie von Chinesen angeschrieben :D
    Wo ich auch immer etwas skeptisch bin, sind Autoren, die mich anschreiben. Ich lese sehr ungerne selbst-veröffentlichte Bücher, bis jetzt bin ich da einfach immer auf die Nase gefallen. Wobei ich kein Problem habe, dass sie mich anschreiben, aber ich finde es auch immer witzig, wenn dann da steht "Du hast so einen tollen Blog blabla" und ich mir sicher bin, die haben meinen Blog nicht mal besucht^^

    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Danke :)
      Ja, vieles ist auch einfach so plump. Gerade bei Indies. Ich meine, diese Leute wollen kostenlose Werbung von uns. Da sollte man sich in der Mail auch etwas Mühe geben. Aber durch all den Mist, der da ankommt, bin ich mittlerweile auch extrem abgeschreckt.

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  6. Hi Sonja,

    war sehr unterhaltsam, dass du mal so aus dem Nähkästchen plauderst. Das sind wirklich lustige Begegnungen.
    In letzter Zeit häufen sich auch bei mir die Anfragen, allerdings sind 98 % davon wirklich sehr lieb und meistens tut's mir echt leid, dass ich ablehnen muss.
    Manchmal sind allerdings auch ein paar Schlitzohren dabei, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann.
    Ich schließe mich Lena an, wenn sie sagt, dass sie oft den Eindruck hat, dass die Personen garantiert noch nie einen Blick auf meinen Blog geworfen haben. Das sind aber zum Glück Ausnahmen.

    LG
    Anja

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    1. Freut mich, wenn ich euch unterhalten kann :D

      Ja, viele sehen in Bloggern halt eine Chance auf kostenlose Werbung und Backlinks.

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  7. Hallo,
    herrlich, habe mich beim lesen sehr amüsiert! Am besten fand ich noch die Sache mit dem Kleid. :D
    Bei Indieautoren finde ich es auch immer schwierig. Irgendwie müssen die Leute ja auch einen Fuss in die Tür kriegen und vielleicht ist ein Buchschatz darunter. Wenn die E-Mail entsprechend verfasst ist, schaue ich mir eigentlich immer die Leseprobe an und entscheide dann ob ich darüber berichte (habe dafür eine extra Vorstellungssparte eingerichtet).
    Solche wir bieten dir das und das Geld wenn du XYZ Werbung machst kenne ich auch, aber dazu gibt es nur "Nein, danke.".
    Blogger =Billiger finde ich ja echt dreist hoch drei. Haben die das direkt so geschrieben mit dem "wir haben kein Geld bitte veröffentlicht diesen Post"?. Wooow! Hätte man nicht zumindest erst einmal anfragen und dann den Text schicken können? Sehr putzig. :-)

    Viele Grüße
    Twineety

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    1. Ja, die Sache mit dem Kleid war wirklich ein Erlebnis. Die haben mir übrigens am Sonntag schon wieder geschrieben. Gleiche Standardmail wie die Erste. Hab sie unbeantwortet gelöscht.

      Ja, das ist es halt. Die Guten sollen ja auch einen Fuß in die Tür bekommen. Ich bewundere jeden, der das macht. Aber ich bin da schon so oft auf die Schnauze gefallen. Zumal ich durch 2 Jobs und Uni oft nicht mal ein Wochenende habe. Da will ich nicht auch noch fehlerüberflutete unkorrigierte Ebooks lesen. Denn diese Leute schicken ja meistens nicht einmal ein Print. Sobald ich eins anfrage ist mein toller heißbeliebter Blog wieder uninteressant. Und das finde ich dann frech, immerhin wollen sie, dass ich mindestens 10 Stunden Arbeit da reinstecke (lesen + berichten).

      Ja, der Wortlaut war ungefähr so. Davor kam halt "Hallo Sonja, wir sind xy und ein Start Up". Und dann kam dieser Rest. War nicht so geschickt ;)

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