Mittwoch, 23. September 2015

(Gequatschtes) Autorinnen, die in die Rolle männlicher Protagonisten schlüpfen

Lasst uns heute mal über ein Thema sprechen, über das ich mir bis letztes Jahr keine Gedanken gemacht hatte. Nun aber schon: Sollten Autorinnen aus der Ich-Perspektive eines männlichen Protagonisten schreiben und umgekehrt?
Also ich muss gestehen, dass ich da früher nie drauf achtete. Ich kenne einige Bücher, in denen Frauen einen männlichen Hauptcharakter gewählt haben und ehrlich gesagt kein einziges Buch, in dem ein Mann eine weibliche Protagonistin wählte. Schlüpfen Freuen also lieber mal in eine männliche Buchrolle, oder sind sie einfach experimentierfreudiger, was solche Perspektivenwechsel angeht?

Bei mir kam das Thema auf, als ich mein erstes Manuskript an den Mann ähhm Agenten bringen wollte. Ich hatte nämlich in der Ich-Perspektive geschrieben und einen männlichen Protagonisten genommen, da er mir einfach geeigneter für die Antiheldenrolle erschien. Zumal ich einen fürsorglichen Gegenpol gebraucht hatte, der storybedingt besser zu einer Frau passte.

So, dann kam irgendwann die Rückmeldung, dass das als sehr schwierig erachtet wird. Dritte Person wäre gerade noch okay, Ich-Perspektive ein No-Go! Nun gut, dann schrieb ich halt das nächste Buch aus einer weiblichen Ich-Perspektive und alle waren glücklich. Trotzdem ließ mich der Gedanke nicht los und ich merke, dass ich absolut kein Problem damit habe, wenn Autorinnen eben in eine männliche Rolle beim Erzählen schlüpfen. Oft finde ich deren Perspektive auch einfühlsamer, als wenn ein Mann das Buch (Gut, halten wir mal literarische Überflieger wie David Levithan außen vor) geschrieben hätte.

Das Einzige, was vielleicht beim Schreiben schwierig wäre, wären detaillierte Sexszenen, aber ich bewege mich bei Lesen ja dann doch eher im Jugendbuch/Thriller-Bereich, da ist das nebensächlich. Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann vergesse ich auch oft beim Lesen, ob das gerade eine Frau geschrieben hat, oder ein Mann. Zumindest, wenn ich den Autor nicht kenne.

Somit finde ich es wirklich interessant, dass eher Frauen mal in eine männliche Rolle schlüpfen als umgekehrt, und dass Verlage das nicht so gerne sehen, aber im Zweifelsfall tolerieren. Aus Lesersicht kann ich zumindest für mich sagen: Mir ist das sowas von egal, ich will nur ne gute Story.

Wie seht ihr das?

Kommentare:

  1. Hi!
    Darüber habe ich mir schon oft Gedanken gemacht. Bestes Beispiel dazu ist J.K. Rowling und ihr Harry Potter. 3. Person ohne Zweifel aber ich denke mir manchmal das es da bestimmt ein, zwei Dinge gibt, die einfach zu kurz kommen bzw. ein Mann eben ganz anders sieht/empfindet/verbinden würde als es dann die weibliche Autorin beschreibt.
    Ich glaube das Scott Westerfeld auch schon aus der Sicht von weiblichen Charakteren geschrieben hat - ich denke aber auch nur in der 3. Person (?), bin mir nicht sicher.
    Ich kann mir gut vorstellen warum Verlage in der ich- Perspektive solche Sachen dann kaum akzeptieren. Aber durchaus interessantes Thema... wie gesagt habe da schon oft drüber nachgedacht - aber die Story zählt am Ende. Letztlich ist das Geschlecht des/r Autor/in ja unwesentlich. (Aber vielleicht eben auch nicht.)

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    1. Ja, aber deswegen hat JK Rowling aber auch nicht ihren Vornamen ausgeschrieben.
      Stimmt, es gibt ein paar männliche Ausnahmen, aber meistens alles aus der 3. Person. Und Dana hat recht - Kai Meyer nimmt gerne Mädels für seine Bücher :)
      Echt ein schwieriges Thema. Sicher, wir können uns immer besser ins eigene Geschlecht hineinversetzen. Aber müssten wir nicht so oder so beide Seiten nachvollziehen können?

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    2. Stimmt Kai Meyer ist auch so einer der aus der Reihe tanzt, den hatte ich ganz vergessen.
      Ja prinzipiell schon, da hast du Recht.

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  2. Rein prinzipiell denke ich, dass es immer leichter ist, aus der Sicht des eigenen Geschlechts zu schreiben, gerade weil man mit dessen Gedankengängen schon eher vertraut hat. Das schließt aber das andere ja nicht aus, sowieso sollte man als Autor schließlich die Gedanken eines jeden und somit auch eines jeden männlichen Charakters kennen. Und wenn man sich gut in andere Personen hineinversetzen kann, wieso nicht?
    Und ich denke, darauf kommt es an: Auf das Vorstellungsvermögen. Es ist eine Kunst, die Gedanken eines Psychopathen nachvollziehbar darzustellen und es eben eine längst nicht so hohe Kunst, die Gedanken des anderen Geschlechts darzustellen, vielleicht lediglich eine Herausforderung. Letztendlich kommt es auf den Schreibstil und das Vorstellungsvermögen an.
    Und Beispiele gibt es genug: J.K. Rowling, um mit einem der populärsten zu beginne, Rick Yancey, bei dem ich vergessen hatte, dass es ein Mann war, der diese süße Liebesgeschichte schrieb, John Green, dessen Frauen ebenso authentisch sind wie die Männer, Kai Meyer, Ursula Poznanski, Antonia Michaelis .... Wenn ich mein Bücherregal so durchgehe, wundert mich die Einstellung deines Agenten - mittlerweile ist diese "Geschlechterwechsel" auf dem Buchmarkt doch relativ üblich. Und gerade im High Fantasy- Bereich wird ja sowieso aus verschiedenen Perspektiven erzählt.

    Liebe Grüße :)

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    1. Ja ich denke, er will mir einen leichteren Einstieg ermöglichen, was mit einem weiblichen Protagonisten der Fall ist. Er hat ja nicht gesagt, dass das andere Manuskript bis auf ewig verdammt ist - Story und Schreibstil passen ja udn sind gut. Nur seine Rückmeldung damals beschäftigt mich heute noch, weshalb ich nun den Artikel geschrieben habe :)

      Auf G+ kam zum Beispiel die Rückmeldung, dass ja auch der männliche Protagonist die fürsorgliche Rolle hätte übernehmen können (was richtig ist). Nur rein weiblich und intuitiv hab ich mich eben für das klassische Rollenbild entschieden.

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