Donnerstag, 8. Januar 2015

(News) Anschlag auf Redaktion Charlie Hebdo aufgrund Michel Houllebecqs neuem Roman "Unterwerfung"?

Seit gestern bin ich am überlegen, ob ich diesen Artikel schreiben soll, oder nicht. Da es aber sowohl die Journalisten, als auch die Buchbranche betrifft, finde ich es wichtig, darüber zu sprechen.
Ich denke, keinem von euch ist entgangen, dass am Mittwoch die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo Opfer eines Anschlags geworden ist. Ich verwende bewusst nicht das Wort "Terroranschlag", da man einer Handvoll Menschen mit diesem Begriff viel zu viel Macht gibt. Die meisten Muslime, die ich in meinem Leben kennenlernen dürfte, sind überaus freundliche Menschen.


Natürlich passieren jeden Tag schlimme Dinge auf der Welt, also warum dann ausgerechnet über Charlie Hebdo schreiben? Ganz einfach, da ich mich persönlich angegriffen fühle und zwar in meinem Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit, denn wir Blogger sind Journalisten. Viele im Bereich Rezensionen und PR, einige schreiben jedoch auch Newsartikel. Prinzipiell gilt: Wir dürfen berichten, posten, unsere Meinung an all jene ausposaunen, die es interessiert und wir dürfen vor allem eins: kritisch sein!

Michel Houllebecqs Roman "Unterwerfung" der Auslöser für den Anschlag?

Im Januar erscheint Michel Houllebecqs neuer Roman "Unterwerfung". Eine Dystopie, in der es um ein von Islam unterdrücktes Frankreich geht. Charlie Hebdo, die damals auch die Mohammed Karikaturen gedruckt hatte, hat das neue Buch auf der Titelseite gebracht und thematisiert.
Natürlich ist das Buch reine Fiktion, aber ein Satz des Autors hat mich dennoch nachdenklich gestimmt. Houllebecq sagte, dass Islamfeindlichkeit keine Art Rassismus ist. Wirklich? Dessen bin ich mir nicht so sicher. Somit hängt seinem Buch meiner Meinung nach ein Stück Propaganda an. Wie weit darf die künstlerische Freiheit eines Autors gehen, ohne gegen moralische Grundsätze zu verstoßen? Oft stehen sich Meinungsfreiheit und Moral gegenüber und sind nur schwer unter einen Hut zu bekommen. Journalisten wägen zum Beispiel ab, ob sie Bilder und Details mit einbringen, die zu grausam für die Leser sind, was gut ist. Aber wie weit sollte man diese Grundsätze für Autoren anwenden?

Rechte Szene wird immer lauter

Meiner Meinung nach sind sowohl das Satiremagazin, als auch die Werke des Autors alleine für sich in Ordnung. Doch nun hat sich eine Situation ergeben, die der rechten Szene extrem in die Hände spielt. Charlie Hebdo druckt genau am Tag des Anschlags die Titelseite über das Buch "Unterwerfung".
Sofort werden Stimmen der Rechten laut: "Wir haben es euch ja gesagt!" Eine Umfrage hat ergeben, dass 57 Prozent der Deutschen die Moslime als Bedrohung sehen. Ich frage mich, wie viele davon jemals bei einer muslimische Familie zum Essen eingeladen waren, geschweige denn ein längeres Gespräch hatten.
Marine Le Pen, Die Chefin des rechten Front National in Frankreich verlangt eine Volksabstimmung über die Todesstrafe, was mich ehrlich gesagt schockiert, denn das wäre ein enormer Rückschlag für Europa.

Meine Gedanken sind bei all jenen, die bei dieser Tragödie ihr Leben lassen mussten und ich sage: Jetzt erst recht! Wir schreiben, Berichten und kritisieren ab heute umso mehr!

Kommentare:

  1. Hey,
    wie wahr! Ich denke, dass das sehr wohl eine Art von Rassismus ist und ich glaube auch nicht, dass man diese Leute noch als echte Muslime bezeichnen kann, denn ich habe schon viele Muslime kennen gelernt, die überaus freundliche und nette Menschen sind. Ich kenne mich zuwenig mit dieser Religion aus, um es genau sagen zu können, aber ich bezweifle, dass es der Wille ihres Gottes ist, dass sie Menschen töten, die lediglich ihre Meinung geäußert haben!!
    Liebe Grüße von causeILIVEbooks <3

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    1. Ich sehe das wie du und finde es erschreckend, dass sich Menschen das Recht herausnehmen, über andere solch eine Gewalt auszuüben.

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  2. Ich kenne das Satiremagazin nicht, nur das Buch von Houllebecq. Das empfand ich nicht als islamfeindlich, und auch nicht als Dystopie. Der Autor provoziert zwar immer wieder in Interviews, hat diese Aussagen aber immer wieder zurückgezogen.
    Sowieso, nichts könnte diese Tat rechtfertigen :(
    Lg Lara

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    1. Hast du es schon gelesen? Ich noch nicht, weiß auch nicht, ob ich dafür die richtige Zielgruppe bin.
      Nein, rechtfertigen kann man es mit nichts, denn das würde bedeuten, dass wir von einem unserer wichtigsten Rechte zurücktreten.

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    2. Ja, mich hat das viele Gerede neugierig gemacht.

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    3. Ich habe mich jetzt dagegen entschieden. Die Aussagen des Autors gepaart mit den schlimmen Ereignissen haben mir die Lust darauf verdorben. Zumal er erst noch sagte, er macht keine Werbung mehr, aus Respekt und zwei Tage später wieder zurückgerudert ist.

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  3. Ich habe von dem Anschlag erst gestern Nacht erfahren und war richtig betroffen, gerade weil es hier um Meinungsfreiheit geht. Das Argument mit der Moral ist sicherlich immer ein wichtiges im Bezug auf dieses Thema, denn man sollte immer bedenken, das die eigenen Grenzen immer nur soweit gehen, wo die anderen aufhören.

    Ich empfinde allerdings Islamfeindlichkeit nicht als Rassismus, sondern als Ablehnung einer Glaubensgemeinschaft, da Muslime keine eigene "Rasse" sind. Alle Muslime in der Hinsicht sozusagen über einen Kamm zu scheren ist gefährlich, denn dadurch verliert man meiner Meinung nach viel schneller den Blick dafür, dass es unterschiedliche Menschen sind mit unterschiedlichen Meinungen über ihre Religion und wie weit man gehen darf im Namen Gottes. Vielleicht sollte man in Zeiten wie diesen ein eigenes Wort für diese Art von Ablehnung schaffen, auch um es den Rechten nicht ganz so einfach zu machen, gegen ihre Gegner zu wettern, wenn sich darunter nicht nur vermeintliche "Ausländer" befinden.

    Ich hoffe, du verstehst was ich meine ;)

    Liebe Grüße
    RedSydney

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    1. Mmh, aber es das direkt "Feindlichkeit" nennen? Ist schon sehr provokant. Sicher, man muss eine Religion nicht mögen. Ich selbst gehöre überhaupt keiner an. Man sollte nur immer kulant gegenüber anderen Sichtweisen sein.

      Hoffen wir einfach, dass so etwas nicht mehr vorkommt und in Frankreich Ruhe einkehrt.

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    2. Naja, es gibt ja gewisse Abneigungen, die man hat und dann gibt es Menschen, die bestimmte Religionen komplett boykottieren, also auch ihren Hass dagegen zum Ausdruck bringen. Das hat dann für mich schon was mit Feindlichkeit zu tun. Inwieweit das auf Michel Houllebecqs Roman und Charlie Hebdo zutrifft, kann ich nicht beurteilen, doch in meinen Augen wollen sie eher provozieren als wirklich zu irgendwelchen Angriffen gegen Muslime aufstacheln.

      Aber ich wollte ja eigentlich nur darauf hinaus, dass der Hass einer Religion für mich nicht dasselbe ist wie Rassismus. Es ist beides gleich schlimm, besonders wenn Fanatiker deswegen Menschen umbringen. Aber es sind für mich zwei Paar Schuhe.

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    3. Ich denke, es ist ein schmaler Grad. Houllebecqs Buch werde ich nicht lesen.
      Aber ich denke, in einem sind wir uns einig: Mord und Terroranschläge, um eine Religion durchzubringen, gehen absolut nicht!
      Wobei meiner Meinung nach Terroristen ihren Gott einfach nur vorschieben, um ihre Verbrechen vor sich selbst zu rechtfertigen.

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