Montag, 1. September 2014

(Gequatschtes) Was willst du einmal werden wenn du groß bist? Autor!

Ein paar von euch wissen es schon. Ich habe ein Manuskript für einen Sci-Fi Thriller geschrieben und es an Literaturagenten geschickt, nachdem meine Testleser begeistert waren. Es war ein langer Weg, bis es fertig war und ich glaube, ich habe mehr Zeit damit verbracht Kommas nachzusetzen, als den eigentlichen Text zu schreiben. Aber man lernt mit seiner Geschichte und wird von Satz zu Satz besser. Trotzdem ist es sehr schwer, ein Manuskript an den Mann zu bringen und ich stand und stehe immer noch vor vielen verschlossenen Türen.
Aber wenn sich irgendwo eine Tür schließt, öffnet sich woanders eine neue, sagt ein altes Sprichwort. Meistens ist das ein ziemliches Klischee und ich denke, dass viele Agenten- und Verlagsabsagen schon berechtigt sind.
Dennoch möchte ich hier mal dem ein oder anderen Mut machen und ein bisschen erzählen, wie es mir so ergangen ist.

Ich hatte "The Project" im Juni soweit, dass ich Agenten anschreiben konnte. Wie jeder Autor war - und bin es immer noch- ich unglaublich begeistert und verliebt in mein Werk. Natürlich hatte auch ich meine Phasen von "Du bis nicht gut genug", "Wer will so ein schwer verdauliches Thema lesen?", "Hoffentlich blamiere ich mich nicht", ich könnte noch eine Weile so weitermachen, aber ich glaube, ihr wisst worauf ich hinauswill. Ich mochte mein Buch, war aber auch sehr unsicher.
Diese Verunsicherung wuchs dann auch mit jeder neuen Absage.
  • Ihr Buch passt nicht in unser Portfolio
  • Ihre Geschichte konnte uns nicht überzeugen
  • Leider konnten wir uns nicht entschliessen, Ihre Vertretung zu übernehmen.
  • Wir sehen von einer Vermittlung ab, da wir glauben ihr Manuskript nicht vermarkten zu können, das ist aber keine Wertung ihrer Arbeit ...
... nein? Keine Wertung? Das stimmt leider, denn die meisten Agenturen haben ihr Raster, nach dem sie Projekte abarbeiten oder erst gar nicht die Zeit, sich eure Leseprobe, oder manchmal sogar das Exposé überhaupt anzusehen.
All die oben genannten Floskeln sind Standartabsagen. Eine Agentur hat sogar den Vogel abgeschossen und wörtlich geschrieben: "Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass wir keine Möglichkeit sehen, Ihren Roman "XYZ" erfolgreich durch ..." Ehrlich gesagt habe ich mich da gleich besser gefühlt, denn der Satz beweist, dass es einfach nur eine Copy+Paste Absage war. Es wurde sogar vergessen, den Buchtitel einzutragen.

Aber nicht jede Agentur verteilt Standartabfuhren. Ich hatte ein paar sehr wenige, die sich wirklich die Zeit genommen haben, meine Bewerbung zu lesen und mir Feedback zu schicken. Allerdings waren das leider die Agenturen, die dahinter her waren, mir ihren Überarbeitungsservice zu verkaufen. Bis auf Zwei. Zwei Agenturen haben mir gezeigt, dass mein Text nicht in den Papierkorb gehört.
Allerdings waren auch diese Absagen: "Die Grundidee und der Plot gefallen mir sehr gut, doch da wir uns nicht im Sci-Fi-Bereich betätigen, was für die Arbeit mit Ihnen am Text und die Vermittlung an entsprechende Verlage unabdingbar wäre, muss ich von einer Vertretung absehen."
Nach dieser Email war ich natürlich auch ein wenig geknickt. Aber hey, sie mochte meine Story!

Letzte Woche kam es dann zu einer Überraschung. Ich bekam eine weitere Email mit den Worten: "Es gibt aus meiner Sicht eine gute Nachricht und leider eine ganze Reihe von schlechten Nachrichten."
Gleich vorab, es war auch eine Absage für "The Project". Aber kein KO-Kriterium für das Buch. Diese Mail beinhaltete die erste ausführliche Begründung, warum es schwierig wird, das Buch als Debüt an den Verlag zu bringen. Und nein, es war nicht mein Schreibstil, (das war die einzige gute Nachricht, der hat ihm sehr gut gefallen) sondern das Setting. Als deutsche Autorin ist ein USA-Setting ungünstig. Dazu kam der Perspektivenwechsel. Ich habe das Buch in der ersten und in der dritten Person geschrieben. Also mit einem Ich-Erzähler. Und zu guter Letzt auch noch einen Mann in der Ich-Perspektive anstatt einer Frau. Eine weibliche Heldin wäre als Autorin besser gewesen.

Das war alles super wichtiges Feedback und bestärkt mich darin, meinen Weg weiterzugehen. Es kam letzten Endes zu einem recht langen Telefonat (wobei ich mich hier bedeckt halte, da ich nicht weiß, was ich ausplaudern darf). Aber ich denke, ich kann euch verraten dass er mir riet, das Manuskript auf jeden Fall in der Hinterhand zu behalten und für den jetzigen Moment marktgetreuer zu planen. Und wie meine Einleitung schon sagte, vielleicht geht eine andere Tür auf, wenn sich die zuerst angesteuerte schließt. Vielleicht nicht morgen, aber bestimmt noch in diesem Leben, da bin ich zuversichtlich!

Kommentare:

  1. toi toi toi - auf das sich noch einige wundervolle türen für dich öffnen !!!
    lg von der numi

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  2. Nicht aufgeben! Du kannst es auch sofort bei kleinen Verlagen versuchen, indem du anfragst, ob du ihnen dein Manuskript schicken darfst. Aber sogar wenn niemand dein erstes Manuskript veröffentlicht, immer weiterschreiben, dann wirst du immer besser :) Viel Glück!
    Lg Lara

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    1. Das war auch mein Plan B, aber mir wurde von dem Agenten geraten, es nicht aus der Hand zu geben sondern den Verlagen anzubieten, sobald ich mir einen Namen gemacht habe. Ich denke, ich halte mich an den Rat und schreibe jetzt an einem neuen Projekt.

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  3. Hey Sonja,

    ich ärgere mich mit dir über Standardabsagen und freue mich gleichzietig über das positive Feedback. Was mich allerdings sehr stutzig macht, ist der Rat, den dir die betreffende Person mitgegeben hat. Ich finde es wirklich sehr schade, dass man absolut marktbezogen schreiben muss, nur damit seine Bücher verlegt werden. Das führt genau dazu, dass wir in einem Genre so viele Geschichten haben, die sich fast bis aufs Haar gleichen. Wo bleibt denn hier bitteschön der Individualismus. Ich weiß ich weiß... Autoren müssen ihre Geschichten verkaufen, damit sie überhaupt Autoren bleiben können. Trotzdem!!!
    Extra für den Markt schreiben, macht dich das als Autorin glücklich? Nur weil gerade Dystopien in sind, schreibst du nun also die hunderttausendste Dystopie? Wenn das von dir kommt gerne, aber für den Markt? Hm....

    Ich habe überhaupt nichts gegen ein USA Setting und ich finde es absolut erfrischend mal wieder ein Buch aus der Sicht eines Kerls zu lesen!

    Dennoch kann ich die Verlage ein bisschen verstehen. Ich war mal beim Arena Verlag zu Gast. Dort haben wir über das Thema Verlagsprogramm diskutiert und da wurde deutlich wie sehr im voraus das geplant ist und wie wenig Spielraum für solche "spontanen" Entscheidungen bleibt. Das ist alles nicht so einfach =)

    Trotzdem weitermachen =). Super, dass du uns diesen Einblick gegeben hast!

    LG
    Anja

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    1. Danke meine Liebe,
      ja, aber die Agenten müssen es auch verkaufen können, die leben davon. Er riet mir ja nicht, einen 0815-Roman zu schreiben, sondern einfach nur einen Schritt zurück zu gehen. Es soll trotzdem individuell werden und so wie es aussieht wird es gut :)

      Ich mag meinen männlichen Protagonisten auch, und es ist auch kein KO-Kriterium, aber einfach nur ein sehr schwerer Start, weshalb es sinnvoller ist mit etwas anderem einzusteigen.

      Die Verlage planen 1-2 Jahre im Voraus. :)

      Ich wollte mit dem Post nur zeigen, dass manchmal ein eingeschlagener Weg einen ganz neuen aufzeigen kann. Das heißt ja nicht, dass man nicht später wieder auf den alten Pfad zurück kann :)

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  4. Toller Bericht! Wünsche dir alles Gute und viel Geduld!

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  5. Ich würde Dir empfehlen, Dir einen frei arbeitenden Lektor zu suchen, der Gutachten schreibt. Das kostet nicht die Welt und Du erhältst im günstigsten Fall eine ausführliche Begutachtung Deiner Geschichte mit allem, was da so dazu gehört. Das dürfte auch für folgende Geschichten nicht ganz unwichtig sein. Außerdem ist er unabhängig, was Testleser ja oft nicht sind ;-)
    Ansonsten einfach durchhalten, das hat bei keinem gleich beim ersten Mal geklappt! Toi, toi, toi.

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    1. An sich ein guter Rat, aber ich habe ja jetzt jemanden an der Hand und wir planen gerade etwas :)
      Meine Tester waren so unabhängig wie möglich, ich hatte mir damals welche über den Blog gesucht und es auch an eine Autorin geschickt. Aber prinzipiell hast du da recht, das ist immer schwierig.
      Es wurde schon knallhart überarbeitet und darf jetzt erst einmal abwarten, bis die Zeit reif dafür ist.
      Ich denke auch, alles mit Ruhe angehen und dann kommt es schon so, wie es kommen soll :)

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