Freitag, 6. Juni 2014

(News) Amazon gegen die Verlagswelt

Der ein oder andere hat es schon mitbekommen: Die Luft zwischen Amazon und den Verlagen wird immer dicker. Doch worum geht es eigentlich? Ja, da komplett durchzublicken ist gar nicht mehr so leicht ...

Amazon will mehr Gewinnanteile an Ebooks

Ich selbst bin das erste Mal darauf aufmerksam geworden, als Kai Meyer auf Twitter schrieb: "Amazon erpresst Carlsen u. andere mit der verzögerten Lieferdauer, um von E-Books in Zukunft nicht mehr 30%, sondern 40-50 % des Preises zu kassieren"
Ja, nicht nett, wenn dann da 2 Wochen Lieferzeit anstatt 2 Tage steht.
Aber nicht nur unsere Verlage haben Probleme mit dem Online-Händler, sondern auch die USA, wo das Ganze noch größere Wellen schlägt als hier.

Amazon gegen Hachette

Amazon möchte auch bei Hachette und anderen Verlagen mehr vom Kuchen abbekommen und das geht natürlich nur, mit einem neuen Vertrag, den Hachette nicht unterschreiben will. Der Verlag gehört übrigens zu den "Big Five" und hat unter anderem J. K. Rowling und James Patterson unter Vertrag. Ihr wisst ja noch, wie das in der Schule war, wenn mein sein Pausenbrot nicht rausrücken wollte. Richtig: Das Mobbing geht los. Und so auch in diesem Fall, denn Amazons Maßnahmen sind alles andere als sauber. Bücher des Verlages, darunter auch den neuen Rowling sind nicht mehr vorbestellbar, Rabatte gegenüber Kunden werden nicht mehr gewährt und eben die Lieferzeiten verzögert.

Amazon will den Buchmarkt für sich haben

Amazon ist schon lange bei Indie-Verlegern beliebt, da man schnell und kostenlos seine Bücher vertreiben kann und dann noch einen hohen Gewinnanteil bekommt (70% bei Ebooks), das ist viel mehr, als bei einem Verlag (ca. 25%). Das ist toll für Autoren, aber diese Bücher haben meist auch kein Lektorat oder Werbemaßnahmen durchlaufen. Dinge, die ein Verlag bezahlen muss. Dementsprechend können Verlage gar nicht so hohe Rabatte gewähren, wie Amazon. Was passiert also, wenn sie noch mehr vom Gewinn an den Onlineriesen abgeben müssen? Genau, die Verlage haben weniger für Vertrieb, Lektorat und ihre Autoren übrig. Jetzt könnte man sagen, Amazon ist einfach habgierig, aber dahinter steckt ein knallhartes System. Denn Amazon möchte auch die Preise für Ebooks senken. Gut für uns, denkt ihr? Nein, auf langfristige Sicht nicht. Amazons Vorhaben ist eigentlich sehr einfach und schnell erklärt:

  1. Die Verlage zwingen, die Verträge einzugehen.
  2. Die Verlage bekommen Geldprobleme.
  3. Amazon kann die günstigsten Preise anbieten und sticht somit die Konkurrenz wie Barnes&Noble, Thalia etc. aus.
  4. Amazon wird Marktführer im Buchhandel, da die anderen nicht mehr beim Preise unterbieten mithalten können und Pleite gehen.
  5. Die Verlage müssen unterdessen um ihr überleben kämpfen, und werden evtl. an der Qualität sparen und an den Gewinnausschüttungen für Autoren. Oder sie gehen Pleite.
  6. Die Autoren können auch nicht mehr davon Leben und wandern zu Amazon ab.
  7. Amazon wird zum Monopol und hat gewonnen.
Das ist ein heftiges Szenario, aber genau das passiert momentan und erst jetzt, so nach und nach, fangen Leute an, darüber zu schreiben. In den USA schon mehr als hier. Und ganz ehrlich: was da gerade abläuft ist einfach nur kriminell. Denn sobald Amazon den Markt beherrscht, kann es alleine über die Preisbildung bestimmen, die dann rapide steigen wird, da es keine Konkurrenz mehr gibt.

Auch ein Thema auf der BEA in New York

Die BEA ist für die Amis das, was für uns die Frankfurter Buchmesse ist und James Patterson hat seine Rede dazu genutzt, ein Statement abzugeben, das im Grunde das, was ich bis eben geschrieben habe noch einmal unterstreicht:

... right now bookstores, libraries, authors, publishers, and books themselves are caught in the crossfire of an economic war between publishers and online providers. To be a teeny, tiny bit more specific, Amazon seems to be out to control shopping in this country. This will ultimately have an effect on every grocery- and department-store chain, on every big-box store, and ultimately it will put thousands of Mom-and-Pop stores out of business. It just will, and I don't see anybody writing about it, but that certainly sounds like the beginning of a monopoly to me. Amazon also, as you know, wants to control book selling, book buying, and even book publishing, and that is a national tragedy. If this is to be the new American way, then maybe it has to be changed, by law if necessary, immediately, if not sooner. I think that might have been a worthy subject for this BEA. I think it's a subject that Indie Bound, the PEN American Center, the National Book Foundation, the New York Times, The Wall Street Journal, USA Today, Huffington, and NPR should latch onto with vigor, with passion, with urgency. Thank you for this generous honor. It means a lot to me, it really does. I'm pretty emotional about it, more than I ever am at speaking engagements.

Wie ihr seht, geht James sogar noch einen Schritt weiter und prophezeit, dass, sollte Amazon damit durchkommen, sich das Ganze nicht auf den Buchhandel begrenzen wird. Es wird Kaufhäuser und Lebensmittelgeschäfte treffen, was das Aus für alle Tante-Emma und Familiengeschäfte wäre.

Börsenverein möchte kartellrechtliche Schritte einleiten

Der Börsenverein bezichtigt Amazon, seine Marktposition zu missbrauchen und prüft nun, ob kartellrechtliche Schritte eingeleitet werden können. Sollte Amazon diesen Kampf gewinnen, steht uns ein massiver Umbruch in der Marktwirtschaft bevor, der nicht nur die Verlage und Autoren treffen wird, sondern auch uns.

Dann kaufen Sie Ihre Bücher eben woanders

Amazon sieht das Ganze sehr gelassen und trocken. Das Versandhaus hat sich lange um eine Erklärung bitten lassen und ließ sich nun doch zu einem kurzen Statement herab. Auch für die Kunden gab es ein paar knappe Worte: "Dann kaufen Sie Ihre Bücher eben woanders" Die Ebooks für den Kindle zu bestellen ist natürlich kein Problem, das ist ja Amazon-intern.

Wer weiterlesen möchte, kann das gerne in der FAZ oder im Börsenblatt tun. Ansonsten sind die englischsprachigen News-Seiten, wie die Daily Mail aktuell voll mit Artikeln darüber. Hachette und der dazugehörige Verlag Little Brown Books for Young Readers sind übrigens weit vorne mit dabei, wenn es um Jugendbücher geht. 

So, nachdem ich dieses Thema, was mir sehr am Herzen liegt, losgeworden bin, entlasse ich euch ins Wochenende.

Kommentare:

  1. Ich bin sprachlos über so viel Geldgier....

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  2. Ich bin mit meiner Vorkommentatorin Sonja einer Meinung ...

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    1. Ich schließe mich euch an...

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    2. Das war auch meine erste Reaktion ...

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  3. Tja, da erinnern mich manche Sachen an den Marktriesen in der Musikwelt! ich arbeite in einem kleinen Musikshop, wo auch in eigener Werkstatt Instrumente hergestellt werden. Außer diesen Instrumenten, die Monate brauchen um fertig zu sein, verkaufen wir natürlich auch andere und "Kleinzeug" und da kommt dann der europäische deutsche Marktführer ins Spiel, der die Preise so dumpt, dass wir mitmüssen und kaum mehr eine Gewinnspanne haben...Die Kunden wollen weniger bezahlen, aber unser Service und auch das Reparaturserive sehr wohl in Anspruch nehmen! Wir oft bekommen wir billigst Trompeten von Aldi zu reparieren und sollen dann Wunder wirken! Oder wir dürfen ohne Gewinn verkaufen.....oben beschreibenes Szenario ist dann sehr ähnlich und ich finde es schlimm, dass Amazon sowas machen kann! Aber da es für uns ja auch viel einfacher geht und man zuhause so bequem und billig bestellen kann, tragen wir unser Schäuflein auch dazu bei. Was Amazon sonst noch so macht...das wird dann noch schlimmer!
    LG Martina

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    1. Ja, es geht leider in allen Branchen so ab. Das Problem ist, dass, sollte Amazon damit durchkomme, das ganze vor Geeicht als Freibrief für andere Halsabschneider herhalten kann ...

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  4. Dass Amazon alles und jeden langsam aufkauft und alle anderen Anbieter vom Markt drängt ist kein Geheimnis. Obwohl Monopole auf lange Sicht nie gut ausgehen, treibt die Gier solche Unternehmen immer weiter an. Wie arrogant, dass die so ein Statement abgeben. Das geht echt gar nicht! Wenn die Verbraucher empört reagieren, saugt sich die PR irgendwelche Erklärungen aus den Fingern.
    Mag sein, dass Amazon momentan den Markt dominiert, aber dass das nicht lange so bleiben wird, das ist klar. Das Dümmste was machen machen kann, ist es die Kunden vor den Kopf zu stoßen.

    Liebe Grüße

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    1. Ja, diese Hochnäsigkeit ist erschreckend und wenn Hechtete schon Probleme hat, den Forderungen gerecht zu werden, das ist das das Aus für Kleinverlage.

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  5. Es ist wirklich unfassbar, was da gerade geschieht! Da kann ich nur den Kopf schütteln.
    Auf unserer FB Seite haben wir einen interessanten Artikel aus der FAZ geteilt.
    Zitat:

    "Wenn Amazon kein einziges Buch mehr verkaufte, hätte das nur geringe Auswirkungen auf den Gesamtumsatz des Unternehmens: Lediglich 5,25 Milliarden des Jahresumsatzes von 75 Milliarden Dollar gingen ihm verloren."

    "Seine wahre Einstellung zur Buchbranche enthüllte Amazon letzten Dienstag in einer öffentlichen Erklärung. Dort werden Bücher als „nachfragegewichtete Einheiten“ bezeichnet. "

    Was fällt einem dazu ein???

    https://www.facebook.com/pages/Bookwives/481165971914839

    LG, SaCre

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    1. Ja, Amazon testet meiner Meinung nach erst einmal in dem kleinen Sektor "Buch", wie weit es gehen kann und dann ist der Rest dran.

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  6. Anonym22:24

    Gut zu wissen, man ich bin sprachlos! Guter Post. Muss ich wirklich sagen. Dass Amazon so mächtig ist war lange klar, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Nun komme ich nicht drum herum, darüber nach zu denken.

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    1. Danke dir! Ja, ich finde es wichtig, dass darüber gesprochen wird.

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  7. Das macht der Kapitalismus. Ich bin eh kein Freund von amazon und bestelle dort nur wenn es nicht anders geht, was zum Glück sehr, sehr selten ist. Aber wenn dann betrifft das natürlich Bücher. Mich wundert diese Entwicklung aber nicht. Letztendlich geht es doch immer nur ums Geld und die angeschmierten am Ende sind wir.
    Eine traurige Nachricht und inwiefern man politisch gegensteuern kann, oder wird, kann ich nicht sehen. Aber Marketingtechnisch betrachtet ist der Ausspruch "Dann kaufen sie eben woanders" echt unter aller Sau. Hochmütig hoch 10.
    Danke für's Mitteilen.

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    1. Ich bestelle viel bei bookdepository. Da ich fast alles auf Englisch lese und die deutschen als REx bekomme. Aber Amazon ist halt auch verlockend. Ich hatte City of Heavenly Fire im Oktober vorbestellt und 9,50 bezahlt. Jetzt kostet es 15 Euro, also habe ich sehr viel gespart und das weiß auch Amazon. Den wenigsten wird es es wert sein, sich nach Alternativen umzusehen.

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  8. Anonym13:09

    Gut zu wissen, vielen Dank noch mal! Wenn bestelle ich bei Amazon auch nur CDs und Bücher.
    Manchmal wenn die Bücher neu erscheinen bestelle ich sie auch einfach bei der Bücherrei vor.
    Letztens habe ich dort auch ein Buch für meine Schulfreundin bestellt. Aber du hast Recht, mich wundert es auch nicht mehr.

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    1. Es ist halt bequem, die Bücher nach Hause geliefert zu bekommen. Printbücher unterliegen eigentlich der Preisbindung und sollten überall genauso viel kosten, was Amazon durch Rabatte wieder umgeht. Wobei Thalia und Bücher.de nicht unbedingt teurer sind.

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