Dienstag, 30. April 2013

(News) Interview mit Zoran Drvenkar über sein Buch der letzte Engel

Vor ein paar Wochen habe ich euch ein Buch vorgestellt, das ich sehr interessant fand da es aus der Sicht des Antagonisten erzählt wurde, dies lies mir schon den einen oder anderen Schauer über den Rücken laufen und ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht. Also habe ich nach dem 2. Band gesucht, der leider immernoch nicht erschienen ist. Aber ich fand einen Artikel im "Tagesspiegel" wo der 15 Jährige Cyrill ein Interview mit dem Autor Zoran Drvenkar führen durfte.

© www.rossipotti.de


Zum Beispiel fragte er ihn: "Wie schreibst du einen Roman?"  
"Ich habe meistens eine Szene. Bei „Der letzte Engel“ war es Motte, die Hauptfigur. Er kriegt eine Mail, er erfährt, dass er am nächsten Morgen sterben wird. Die Szene, bis er seine Flügel hat, habe ich aufgeschrieben. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wer Motte ist, ich hatte keine Ahnung, warum er die Flügel bekommt, ich hatte nichts – aber mir gefiel die Szene. Das ist so, als ob du die Vorschau für einen Film siehst. Du siehst eine gute Szene und denkst: Könnte ein spannender Film sein."

Wow, das ist auch genau die Szene, die ich am besten im Gedächtnis hatte. Man merkt regelrecht, wie er die Story darauf aufgebaut hat! Ich fand das Buch im allgemeinen auch sehr flüssig von daher überraschte es mich, als er auf die nächste Frage, ob er eine Struktur hatte antwortete:  
"Ich plane nicht sehr viel. Zum Beispiel die Anfangsszene, wo Mona und Esko dasitzen und er in die Erinnerung rein geht, die gehörte zu einem anderen Buch. Das war so eine Anfangsszene, die mir gefallen hat. Mir gefielen die toten Mädchen und dass er in die Vergangenheit geht, auch, wenn ich nicht wusste, was das soll. Dann schrieb ich die Engelsszene. Ich nahm sie und packte die andere Szene davor. Es gab keine Verbindung, also habe ich es verbunden. Das ist für mich Schreiben: Du hast viele Elemente und kannst was Neues draus machen. Diesen Clou zu haben, dass ich die Geschichte vorantreibe – das ist für mich der große Reiz am Schreiben."

Mir hat auch gut gefallen, wie der Autor mit dem religiösen Fanatismus umgegangen ist, sodass ich sehr schmunzeln musste als er auf die Frage, ob das Buch religiös angehaucht sei antwortete, dass der Verlag die Szene streichen wollte wo gesagt wurde, das Religion albern sei. Man betrachtete dies mit Sorge. Aber Zoran steht dazu: Keine Religion bei ihm!

Man merkt auch, dass er sich mit dem Antagonisten Lazar am besten identifizierten kann, es ist fast schon erschreckend dessen Gedanken in der "Du"-Form zu lesen, denn ja ich konnte ihn verstehen und seine Beweggründe nachvollziehen!

Man merkt schon an seinem Schreibstil, das Zoran Drvenkar nicht mit der Norm mitschwimmt, er hat einen eigenen Stil entwickelt, der mich persönlich überzeugen konnte, und Cyrill hoffentlich auch!

"Woher wusstest du, dass du berühmt werden würdest?"  
"Manchmal bekomme ich ja Briefe von Leuten, die schreiben wollen. Ich schreibe dann immer was ganz Schreckliches zurück, ich sag ihnen immer: „Leute, wenn ihr nur Bücher schreiben wollt und nicht brillant sein wollt, dann könnt ihr es sein lassen“. Es gibt so viel Mittelmäßigkeit, 90 Prozent aller Schreiber sind Mittelmaß. Sie schreiben Bücher, weil sie gut erzählen und die Leute unterhalten können. Ich will aber was Neues machen, neue Türen aufstoßen. Darum bin ich wahrscheinlich ein bisschen durchgeknallter, aber hab mehr Spaß am Schreiben. Gregor sah das und ich sehe das noch immer. Du musst ja nicht rumrennen und sagen: „Ah ich schreibe besser als jeder andere“, sondern du musst daran glauben, dass es großartig ist für dich selbst. Das zählt."



Quelle:
Tagesspiegel

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...